Christian Lapp

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Reflexion über meine Kunstfotografie

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Ich lade dazu ein, sich zuerst die Fotos unter

Kunstfotografie © Christian Lapp

 

 

 

anzusehen und erst dann hier weiterzulesen!

Der eigene Eindruck soll im Nachhinein durch diesen Text ergänzt werden. Es soll keinesfalls um ein Rätselraten in der Form "Was hat sich der Künstler gedacht?" gehen.

Parking Lot Kiyomizu 48th Street Great Sanddunes Smithsonian Dojran II Rauchen Verboten Abriss I Wildbach James SDSM Georgiewski Reina

Mensch-Struktur-Natur

Das gemeinsame Thema dieser Serie ist die Beobachtung der Interdependenzen zwischen Menschen, ihren Werken und der Mitwelt.

Im Jahr 2000 begann es mit der Bearbeitung meines Kulturschocks in einer völlig Automobil-zentrierten Gesellschaft (Parking Lot) und wurde mit der Zeit zur allgemeinen Beschreibung des Wechselspiels von menschlich erzeugter, klarer Struktur, der Unschärfe und Vielfalt des natürlich Gewachsenen und des Menschen selbst, der in diesem Sinn eine Doppelrolle einnimmt.

Oftmals erschließt sich das Thema am deutlichsten im Vergleich zweier oder mehrerer Aufnahmen. Im Folgenden möchte ich einige exemplarisch nennen.

Etwa stellt der einsame Fußgänger innerhalb der Übermacht des „Parking Lot“ ein inverses Pendant zu dem Tempel „Kiyomizu“ inmitten der üppigen Vegetation dar. Mithilfe dieses visuellen Gegensatzes spreche ich Fragen nach dem Umfang und der Form menschlicher Interventionen in die natürliche Umgebung an und wie diese auf die Menschen rückwirken.

Auf die Spitze getrieben wird dieser Gegensatz mit „48th Street“ und „Great Sanddunes“ Die andere Seite lässt sich nur mehr aus einer Metaposition, die den Fotografen als Teil des Fotos einschließt, finden. Stellt er bei „Great Sanddunes“ das rationale Prinzip dar, indem er ein formal konstruiertes Foto gestaltete, ist er bei „48th Street“ das emotionale Element, das zugleich mit Faszination und Unbehagen auf die formale Strenge reagierte. Gleichzeitig stellen die klaren Linien in beiden Aufnahmen eine visuelle Verknüpfung her.

„Smithsonian“ erzeugt dieselbe Metaebene mittels eines sichtbaren zweiten Fotografen, der selbst die reine Struktur festhielt, sie für mich jedoch genau dadurch durchbrochen hatte.

Der Unterschied zwischen vom Menschen geschaffener, linearer und natürlich entstandener, fraktaler Geometrie tritt am stärksten bei „48th Street“ versus „Kiyomizu“ hervor: Die Linien des Gebäudes führen unseren Blick in kurzer Zeit eindeutig und direkt auf den Fluchtpunkt jenseits des Bauwerks hin. Die vielen Formen des Waldes laden zum Verweilen und sich Verlieren ein. Immer wieder wechselt der Blick zwischen den Details und der wolkengleichen Landschaft.

„Dojran II“ beschäftigt sich mit der Verlorenheit geschaffener Ordnung, wenn sie unfähig ist, sich anzupassen. „Great Sanddunes“ vermittelt hingegen die aus natürlichem Verhalten entstandene, sich beständig wandelnde Ordnung einer kleinen Wüste vor der Kulisse der Rocky Mountains. Mit „Rauchen Verboten“ wird dieses Thema auf amüsante Art nochmals aufgegriffen.

Verborgene Ästhetik

In vielen Fotos ist mir wichtig, die Ästhetik des auf den ersten Blick „Hässlichen“ darzustellen. Neben der Dokumentation von Spuren des Vergangenen und den Geschichten, die sie erzählen, ist das ein zentrales Thema in den Serien „Abriss I-III“ und „Dojran I-II“ sowie in „Wildbach“. Die Fotos laden dazu ein, sich nicht reflexartig abzuwenden, sondern innezuhalten und einen zweiten Blick zu riskieren, der eine subtile Schönheit offenbart.

Mensch-Mensch

Die Integration der Mensch-Mensch-Beziehung erweitert den Rahmen des Themas: Es wird verallgemeinert zur Auseinandersetzung mit Gegensätzen und Widersprüchen und wie diese sich dennoch ergänzen und brauchen. Dabei wird es zugleich spezieller: Ich will beide Seiten aufzeigen und nicht vorschnell bewerten oder verurteilen. Es soll dem Betrachter ermöglicht werden, unvoreingenommen heranzugehen und von mehreren Standpunkten hinzuschauen, um sich ein differenziertes Bild zu machen.

So konterkariert „James“ die Aggressivität seiner Kleidung mit einem freundlichen, fast abgeklärten Lächeln. In „SDSM“ trägt das Mädchen auf ihrem T-Shirt Blumen statt des Partei-Sterns der Erwachsenen. Damit und vor allem mit ihrer ernsthaften Nachahmung der „Großen“ führt sie die ganze zur Schau gestellte Grimmigkeit ad absurdum.

Mit „Georgiewski“ sehen wir zunächst den Politiker, der sich auf sein Gegenüber konzentriert– aber mit dem Ziel, etwas für sich selbst zu erreichen. Demgegenüber steht die Tänzerin „Reina“, welche absolut auf sich konzentriert ist, um damit dem Publikum etwas zu geben.

Durch die Ähnlichkeit, beinahe Austauschbarkeit, ihrer Körperhaltungen, wird der Betrachter zur Hinterfragung dieser Klischees aufgefordert. Denn viele Künstler sind notwendigerweise mit einem guten Ego und Durchsetzungsvermögen ausgestattet und der Beruf Politiker ist ein hochkomplexer – inklusive der Funktion, als Projektionsfläche solcher Klischees zu dienen.

Quintessenz

Diese Reflexion ist während der Zusammenstellung der Serie "Kunstfotografie" entstanden. Sie war daher nur im Groben Programm - die detaillierten Überlegungen sind im Prozess entstanden.

Ich denke, sie gibt einen guten Einblick in meine Intention und ergänzt derart den Eindruck, den jeder Betrachter individuell bekommt.

 

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Anmerkung

Meine Beiträge werden auf Deutsch ODER Englisch verfasst, aber nicht übersetzt.