Lapp, Christian (2008): Soziale Selbstorganisation: Warum Widersprüche Organisationen und Organisationen Widersprüche erschaffen. Saarbrücken: VDM.
Klappentext
Dieses Buch weist, basierend auf philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, den Weg zum Umgang mit Konflikten und Widersprüchen und zeigt auf, welche Bedeutung sie in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft haben. Die – auf den ersten Blick ernüchternde Erkenntnis lautet: Solange wir versuchen, Lösungen für unlösbare - weil fundamentale - Widersprüche zu finden, generieren wir immer mehr Widersprüche, anstatt die ersteren zu bewältigen.
Christian Lapp zeigt einen, wenn auch „steinigen“ Weg aus diesem Teufelskreis: Er begründet philosophisch-wissenschaftlich die Bedeutung des geistigen Weges, des Aussöhnens mit den Widersprüchen, des „Tun im Nichts-Tun“, wie es der Daoismus propagiert.
Abgerundet mit handfesten Anwendungen, wie den „praktischen Gesetzen der Selbstorganisation“ erweist sich dieses Buch als Chance zu einem tiefen Blick in die Dynamik menschlicher Gesellschaften von Familien über Unternehmen bis zu Nationen.
Vorwort
Solange uns eine absolute Wahrheit nicht zugänglich ist, müssen wir uns damit begnügen, dass die relativen Wahrheiten einander korrigieren.
- Viktor Frankl
Von jeder Wahrheit ist das Gegenteil ebenso wahr!
- Hermann Hesse
In dem Zitat von Viktor Frankl entdecke ich die Kernaussage dieses Buches. Das Fehlen einer absoluten Wahrheit – dafür gibt es zwei Ursachen, beide werden hier beschrieben. Die eine ist eine erkenntnistheoretische, vom Radikalen Konstruktivismus und der Theorie der Autopoiese beschriebene. Die andere liegt in der Natur bestimmter Wahrheiten, deren Gegenteil ebenso wahr ist, wie es Hermann Hesse ausgedrückt hat, und die als Aporien bezeichnet werden. Also besitzen wir relative Wahrheiten, die einander korrigieren, ebenso miteinander in Wettstreit stehen wie einander ergänzen. Diesen Prozess nennt man Konflikt. Diese relativen Wahrheiten müssen wir selbst-organisieren, denn zwischen und mit ihnen entfaltet sich unser soziales Leben als Menschen.
Dieses Buch beschreibt Aporien und Konflikte, gibt ein Bild von der Selbstorganisation komplexer Systeme und versucht, diese beiden Theorien in der Selbstorganisation sozialer Systeme zu vereinen.
Es soll aber keine rein abstrakte Abhandlung werden, sondern praktisch sein und Nutzen stiften. Es stellt die Theorie hinter meiner Praxis und aus meiner Praxis dar. Die Fähigkeit zur praktischen Anwendung und auch die Konstruktion dieser theoretischen Basis haben sich über Jahre entwickelt, und es ist mir nicht immer gelungen, das auf Hinweise zu verdichten, die man in kurzer Zeit befolgen kann. Insofern handelt es sich hier vermutlich auch um ein hochgradig theoretisches Werk.
Es stellt aber gleichzeitig eine Einladung an die Leser dar, ebenfalls ihren Weg zu gehen, die Inhalte dieser Arbeit als einen gelegentlichen Weggefährten zu betrachten und daraus auch praktischen Nutzen zu ziehen.
Was es auf jeden Fall sein soll, ist eine Anregung zu Diskussionen, zum Nachdenken und auch zum Widerspruch. An vielen Stellen werden Hypothesen aufgestellt, deren Sinn es ist, einen Punkt zu setzen, eine relative Wahrheit, um die herum andere relative Wahrheiten entstehen können, um sich gegenseitig zu korrigieren und zu ergänzen.


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