Ossimitz, Günther, Christian Lapp (2006): Das Metanoia-Prinzip: Eine Einführung in systemisches Denken und Handeln. Hildesheim: Franzbecker.
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Klappentext
Die Systemwissenschaftler Günther Ossimitz und Christian Lapp bieten mit ihrem Buch „Das Metanoia-Prinzip“ eine auch für interessierte Laien verständliche, aber dennoch wissenschaftlich orientierte Einführung in systemgerechtes Denken und Handeln. Unterstützt durch viele Beispiele, Grafiken und prägnante Merksätze wird die Entwicklung von System-Denken gefördert und die systemische Handlungskompetenz gestärkt.
Das Wissen, die Prinzipien und die Beispiele, die in diesem Buch präsentiert werden, liegen oft quer zu unseren üblichen Denkmustern. Die Autoren betonen, dass Systeme, Systemdenken und systemgerechtes Handeln einfach anders – bisweilen sogar total anders sind als unser herkömmliches Denken. Das „Metanoia-Prinzip“ steht genau dafür, dass der Umgang mit Systemen eine fundamental neue Art des Denkens und Handelns braucht.
Die ersten vier Kapitel des Buches beschäftigen sich mit vier grundlegenden Dimensionen im Umgang mit Systemen:
• Vernetztes Denken
• Zeitliche Dynamiken verstehen
• Denken in Modellen
• Systemgerechtes Handeln
Das abschließende fünfte Kapitel beschäftigt sich mit Selbstorganisation und Lebenden Systemen.
Vorwort
Entstanden ist dieses Buch aus einem Vorlesungsskriptum „Einführung in die Systemwissenschaften“. Unser Verleger Walter Franzbecker lud uns ein, dieses Skriptum als Buch herauszubringen. Im Zuge der Überarbeitung für die Buchfassung entstand ein weitestgehend neues Werk, das noch wesentlich stärker die praktische Seite des systemgerechten Denkens und Handelns in den Vordergrund rückt. Dennoch haben wir die systemwissenschaftliche Ausrichtung beibehalten nach dem Motto: „Eine gute Theorie erkennt man daran, was sie für die Praxis taugt.“
Mit dem vorliegenden Buch möchten wir einen Ein- und Überblick über die Vielfalt systemwissenschaftlicher Ansätze und systemischen Denkens geben. Wie es sich für eine Einführung gehört, haben wir dabei der Breite und Vielfalt den Vorzug gegenüber der Tiefe gegeben. Um Ihnen selbst eine erste Möglichkeit zu geben, sich dort zu vertiefen, wo Sie für sich einen Bedarf sehen, haben wir am Ende jeden Kapitels einige Literaturhinweise angefügt.
Zum Aufbau dieses Buches
Der Aufbau des Buches orientiert sich an vier grundlegenden Dimensionen systemischen Denkens:
• Vernetztes Denken: Damit ist ein Denken in vernetzten, systemischen Zusammenhängen gemeint, bei denen Wirkungsnetze und Wirkungskreisläufe beachtet werden.
• Zeitliche Dynamiken verstehen: Systeme entwickeln oft ihre eigene Dynamik und können nur im Einklang mit dieser Eigendynamik verstanden und gesteuert werden. Da wir Menschen uns oft schwer tun, zeitliche Dynamiken wie Verzögerungen, Schwingungen oder Eskalationen zu erkennen, brauchen wir entsprechende Hilfsmittel zur Darstellung und Modellierung von zeitlichen Prozessen.
• Denken in Modellen: Systeme sind immer modellhafte Vereinfachungen. Ein Verständnis über die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Systemmodellierungen hilft uns, mit Systemmodellen bewusst umzugehen.
• Systemgerechtes Handeln: Wir sehen systemisches Han¬deln als die Umsetzung systemischen Denkens in der Praxis. Es ist wichtig, die richtigen Hebelpunkte zur Steuerung von Systemen zu erkennen und die Lenkungseingriffe in der richtigen Intensität zur richtigen Zeit zu setzen.
Diese vier miteinander vernetzten Dimensionen decken die in der systemwissenschaftlichen Literatur zu findenden Ansätze zu systemischen Denken und Handeln weitgehend ab und bieten insgesamt einen breiten Zugang zum Thema.
Das fünfte Kapitel behandelt das Thema:
• Selbstorganisation und lebende Systeme: In diesem Kapitel wird der Bogen systemischer Ansätze aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Im Kern steht die Frage, wie Selbstorganisation funktioniert und was das mit lebenden Systemen zu tun hat.
Das fünfte Kapitel basiert auf Teilen der Dissertation von Christian Lapp.
Wie soll man dieses Buch lesen?
Ist es ein Buch, das strikt von vorne bis hinten durchzugehen ist, oder ist es möglich, mitten drin einzusteigen, hin und her zu springen oder es gar von hinten nach vorne zu lesen?
Dieses Buch handelt nicht nur von Systemen; die Inhalte selbst sind miteinander hochgradig systemisch vernetzt. Es gibt nicht „den“ Weg durch die Systemwissenschaften, aber viele Möglichkeiten, die Welt der Systeme zu erkunden. Sie können daher beginnen, wo immer Sie wollen und alle Zusammenhänge auf eigene Faust entdecken.
Natürlich hat auch das vorliegende Buch – wie jeder gedruckte Text – eine sequentielle Struktur. Wir haben uns bemüht, die hochgradig vernetze Struktur des Themas so in eine lineare Abfolge zu bringen, dass man beim Durcharbeiten von vorne nach hinten mit möglichst wenigen Verweisen auf künftige Kapitel auskommt. Es macht daher Sinn, wenn dieses Buch von vorne nach hinten gelesen wird.
Das „Metanoia-Prinzip“
Das Wissen, die Prinzipien und die Beispiele, die wir in diesem Buch präsentieren, liegen vermutlich zum Großteil quer zu Vielem, was Sie bisher gelernt haben und was andere Wissenschaften lehren. Das soll Sie nicht verwundern: Systeme, Systemdenken und systemgerechtes Handeln sind einfach anders – bisweilen sogar total anders als unser herkömmliches Denken. Das soll auch der Buch-Titel „Das Metanoia-Prinzip“ andeuten. Der griechische Begriff „Metanoia“ bedeutet ein radikales Umdenken, bei dem das gesamte Denken und Handeln auf eine neue Grundlage gestellt wird. Mit dem Begriff „Metanoia-Prinzip“ meinen wir, dass der Umgang mit Systemen eine fundamental neue Art des Denkens und Handelns braucht. Wundern Sie sich nicht, wenn so manches Ihrer gewohnten Denkmuster in Frage gerät. Dies ist ein Zeichen einer ernsthaften Beschäftigung mit Systemen und ihren Eigenarten.
Die systemorientierte Betrachtungsweise verändert unser übliches Bild oft grundlegend und zeigt uns neue Varianten und Möglichkeiten auf, die nach üblichen Denkmustern bisweilen völlig widersinnig oder unmöglich erschienen. Im ersten Moment macht das unser Leben oft nicht einfacher. Wo es bisher eine Erklärung und eine Reaktion gab, müssen wir uns nun entscheiden, welche Sicht angebracht ist. Anfangs kann es verwirrend sein, wenn mehrere Möglichkeiten, die womöglich einander komplett widersprechen, praktisch gleichwertig vor einem stehen. Mit der Zeit jedoch, wenn sich so etwas einstellt wie Systemisches Denken, werden Sie bemerken, dass die Entscheidung zwischen den möglichen Erklärungen immer leichter wird. Sie beginnen von der Vielzahl der Wege zu profitieren. Sie entdecken Neuland und können es nützen.


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