Christian Lapp

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Was die Love-Parade aus der Euro-Krise lernen sollte

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Eine Satire

1. Szene

Der Veranstalter eines großen Festivals, ein renommierter Wissenschaftler, ein zufällig ausgewählter Festivalbesucher und ein honoriger Herr im Maßanzug sitzen an einem Tisch.

VERANSTALTER: Was da bei dem letzten Festival passiert ist war schrecklich und darf nie wieder passieren!

ALLE: Ja, schrecklich!

WISSENSCHAFTLER: Unsere Studien zeigen, dass die Ursache eine Überregulierung war und sich die Besucher nicht frei genug bewegen konnten. Sie müssen also die Security feuern und dem Spiel der Massen freien Lauf lassen.

BESUCHER: Aber war es nicht gerade, dass zuwenig geplant und geleitet wurde?

WISSENSCHAFTLER: Probleme kann man nicht durch Regulierung und Kontrolle lösen. Unsere Theorie sagt, dass es am besten ist, wenn alle völlig frei das machen können, was sie wollen – denn dann kommt das Beste dabei raus. Der Homo festivalis maximiert nämlich...

BESUCHER: (Erinnert sich an seinem Mathematiklehrer, der ebenso unverständlich war und immer Recht hatte, und schweigt.)

VERANSTALTER: (Ist erleichtert, weil er die Verantwortung los ist. Er muss sich um nichts kümmern und alles wird gut.) Ich verstehe, das ist ein großartiger Plan. Wir müssen nur noch die Polizei davon überzeugen, dass sie nicht eingreift.

WISSENSCHAFTLER: Auch die kann sich den eindeutigen Ergebnissen unserer Theorie nicht entziehen.

VERANSTALTER: Dann wäre ja alles geklärt. Ich danke Ihnen, meine Herren.

HERR IM MASSANZUG: (Lächelt.)

Einige Wochen später

Vor dem Festival schließt der Veranstalter eine Versicherung ab, die bei Verletzung oder Tod von Besuchern eine beträchtliche Summe auszahlt, um Schadenerstzansprüche decken zu können. Der Herr im Maßanzug schließt auch diese Versicherung ab, um – ja was denn? – er trägt ja kein Risiko.

2. Szene

Während des Festivals wird eine Krisensitzung einberufen. Es sind die selben vier Herren anwesend.

VERANSTALTER: Das Gedränge nimmt zu, es kann sein, dass es bald zu einer Massenpanik kommt.

BESUCHER: Es gibt sogar einige dubiose Besucher, die bewusst Unruhe reinbringen, stoßen und Angst verbreiten. Es ist so, als würden die von einer Panik profitieren. Holen wir doch die Security und lassen sie vom Gelände bringen.

WISSENSCHAFTLER: Das wäre jetzt genau das Falsche. Würden wir in das freie Spiel der Kräfte eingreifen, würde das das ganze Festival zerstören. Es geht doch um die Freiheit, die dürfen wir nicht einschränken, sonst würden alle Besucher ganz schnell zu einem anderen, freieren Festival gehen.

BESUCHER: Also ich würde schon bleiben.

WISSENSCHAFTLER: Ja Sie! Aber Sie sind ja nicht repräsentativ. Vertrauen Sie mir.

VERANSTALTER: Was, wenn doch etwas passiert?

WISSENSCHAFTLER: Ich habe da einen genialen Plan ausgearbeitet. Sie schaffen sich eine Hubschrauberflotte an und wenn irgendwo das Gedränge zu groß wird, dann holen die Hubschrauber dort die Besucher raus.

VERANSTALTER: Wäre es nicht einfacher, ein paar Absperrungen aufzustellen?

WISSENSCHAFTLER: Sie dürfen auf keinen Fall am Boden regulierend eingreifen. Haben Sie das vergessen?

VERANSTALTER: Ach ja. Aber wie finanzieren wir das?

WISSENSCHAFTLER: Sie müssen beim Ausgang von jedem Besucher nochmals Geld verlangen und bei den Kosten sparen: Verkaufen Sie die Tonanlage und schicken sie die DJs nachhause.

BESUCHER: Aber...

VERANSTALTER: Das klingt vernünftig. Hier muss jeder seinen Beitrag leisten. Holen wir die Hubschrauber!

HERR IM MASSANZUG: (Lächelt.)

3. Szene

Nach dem Festival treffen sich wieder die besagten Herren.

VERANSTALTER: Durch den Einsatz der Hubschrauber konnte eine Panik verhindert werden. Alles ist nochmal gut gegangen.

BESUCHER: Sie haben vollkommen Recht. Das Festival war zwar etwas leise und überteuert, aber was sind schon ein paar Euro, wenn man mit dem Leben davonkommt. Und darum ging es doch, oder?!

WISSENSCHAFTLER: Unsere Theorie hat sich wieder einmal bestätigt.

HERR IM MASSANZUG: (Lächelt.)

4. Szene

Der Herr im Maßanzug spricht vor seinen versammelten Investoren.

HERR IM MASSANZUG: Durch eine geschickte Positionierung unseres Portfolios konnten wir heuer einen Rekordgewinn verbuchen. Unser Investment in mehrere Hersteller von Helikoptern hat uns eine aussergewöhnliche Rendite beschert. Der vergleichsweise geringe Verlust unserer Hedging-Position in Versicherungen fremden Risikos war von Anfang an eingeplant. Ich gratuliere Ihnen zur Vermehrung Ihres Vermögens.

INVESTOREN: (Applaudieren.)

HERR IM MASSANZUG: (Lächelt.)


--- ENDE ---

 

Siehe auch: Die Heilsbotschaft des Marktes

 

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Remark

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